Dezember 2019


Scheichs unter Strom

Die Vereinigten Arabischen Emirate rüsten sich für die Zeit nach dem Öl. Doch wie schnell lässt sich eine Region auf elektrische Antriebe einschwören, die mit Erdöl und Erdgas groß und reich geworden ist?

Allgemein

Die gute Nachricht kam Ende November. Dubais Behörden werden privaten E-Car-Nutzern auch in den kommenden zwei Jahren Gratisladen an den rund 200 Charging-Points der Stadt erlauben. Ursprünglich wäre die Aktion mit Ende dieses Jahres ausgelaufen.

Die für den Umstieg auf E-Antriebe zuständige Dubai Electricity and Water Authority bemüht sich aber auch mit anderen Goodies darum, die Einwohner des Emirats für Elektro-Autos zu begeistern:  Wer ein solches fährt, ist von sämtlichen Anmeldegebühren befreit, genießt verlängerte Garantiezeiten, parkt gratis und zahlt auch keine Straßenbenützungsgebühren.

E-Sayyara heißt die Kampagne, die bis 2030 mindestens 270.000 Elektrofahrzeuge auf die Straße bringen soll. Egal ob Luxuslimousinen wie Teslas, Prestigeobjekte wie den brandneuen Aston Martin Rapid E oder Kleinstautos wie den nun auch im Mittleren Osten erhältlichen Twizy von Renault. „Die Menschen sind unterschiedlich. Manche lieben Sportautos, andere Allradfahrzeuge und noch andere umarmen Bäume, wir müssen sie alle ansprechen“, sagt Ivano Ianneli, CEO von Dubai Carbon, einem von der Regierungsseite angeregten Think Tank, der den Weg des Emirats in die postfossile Ära vorbereiten soll.

Polizei  als Vorreiter
Dass in den Vereinigten Arabischen Emiraten das Interesse an E-Mobilität steigt, bestätigt auch der Regionalverantwortliche des Ladestationen-Anbieters  ABB, Loay Dajani. Die Haupttreiber der Entwicklung sind im Moment allerdings institutionelle Nutzer. So wurden schon 2016 alle öffentlichen Institutionen von Dubai verpflichtet, bei Neuanschaffungen zumindest für zehn Prozent  der Fahrzeuge elektrischen oder hybriden Antrieb zu bestellen.

Als besonderer Vorreiter erweist sich dabei die Polizei, die im Rahmen einer Kooperation mit Chevrolet immer wieder neue E-Autos anschafft und inzwischen den Auftrag bekommen hat, in den nächsten Jahren ihre Flotte komplett auf E-Mobilität umzustellen. „Mit diesem Vorhaben“, sagt der zuständige General Muhammad Nasser Al Razooqi, „will die Polizei die Vorzüge von elektrischen Antrieben für möglichst viele Menschen sichtbar machen.“

Die Vorgaben, die der Oberste Energierat des Emirats vorgibt, sind ambitioniert: Bis 2021 will Dubai seinen  CO2-Ausstoss im Vergleich zu 2015 um 16 Prozent gesenkt haben. Bis 2050 möchte man gar weltweit die Stadt mit dem geringsten CO2-Footprint werden.

Dass Dubai heute auch zu den absoluten Hot-Spots im Bereich des autonomen Fahrens gehört, treibt die Entwicklung ebenfalls in Richtung E-Mobilität. Bis 2030 soll ein Viertel des Verkehrs in der Stadt autonom und mit elektrischem Antrieb abgewickelt werden.

Vorzeige-Metropole
Doch nicht nur Dubai, auch Abu Dhabi, das mit Abstand erdölreichste der sieben Vereinigten Arabischen Emirate, rüstet sich für die Zeit nach dem Öl. Symbolisch dafür steht Masdar City. Auf sechs Quadratkilometern entsteht hier eine, so wird sie jedenfalls beworben, CO2-neutrale Wissenschaftsstadt, der Verkehr ist ausschließlich elektrisch, Fahrzeuge mit fossilem Antrieb dürfen in die rund 30 Kilometer von Abu Dhabi entfernte Enklave nicht einfahren. Der Strom für die stadtinterne Mobilität kommt von Sonnenkollektoren, für Kühlung der Gebäude wird unter anderem auch Windzug  genutzt.

Dass Audi sein erstes voll elektrisches Auto, den e-tron, hier vorgestellt hat, hat daher durchaus über Symbolcharakter: Der Elektro SUV erweist sich als  wüstentauglich und könnte der Großvehikel-verliebten Klientel am Golf durchaus gefallen. Doch die Symbolik ist, wie Kritiker anmerken, nicht nur positiv. Denn schwere SUV-Modelle gelten, selbst wenn sie elektrisch angetrieben werden, nicht unbedingt als das ideale Verkehrsmittel für die postfossile Ära – zu schwer und zu ressourcenaufwendig sind sie in der Produktion.

Was auf eine gewisse Art dann aber doch zu Masdar-City passt. Denn auch diesem Vorzeigeprojekt wird vorgeworfen, es könne kaum ein breitenwirksames Vorbild sein. An den meisten anderen Plätzen der Welt würde es nämlich für die monumentalen Bauten, die man in Masdar-City errichtet, nicht genug ganzjährige Sonneneinstrahlung und Winde geben, um sie auch nur annähernd CO2-neutral zu betreiben.  Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Masdar-City dank E-Mobilität und entsprechender Architektur nur 25 Prozent jener Energie benötigen soll, die eine vergleichbare, aber konventionell gebaute Stadt verbrauchen würde. 
 


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