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Weltreise der e-Mobilität
Warum Norwegens Automarkt unter Strohm steht

Gastbeitrag vom WEKA-Verlag

Mit einem Marktanteil von 48 Prozent sind E-Autos in Norwegen so erfolgreich wie kaum sonst wo. Der Staat steckt Subventionen in Millionenhöhe in die klimaneutralen Fahrzeuge. Doch wie lange noch?

Wo alternative Antriebsformen andernorts noch einen Nischenmarkt bedienen, haben sie sich im hohen Norden längst durchgesetzt. 46,6 Prozent der neuzugelassenen Pkw in Norwegen sind Elektroautos. Zum Vergleich: In Österreich waren es zuletzt nur 2,5 Prozent. „Die Norweger sind glücklich mit ihren E-Autos. Laut einer aktuellen Umfrage geben 73 Prozent der Elektrofahrzeugbesitzer an, mindestens eine weitere Person inspiriert zu haben, ebenfalls auf ein emissionsloses Fahrzeug umzusteigen“, erzählt Erik Lorentzen, Leiter der Fach- und Beratungsabteilung der Norwegischen Elektrofahrzeugvereinigung Elbilforening.

Halbe halbe

Dass die Stromer hier derart erfolgreich sind, liegt freilich nicht bloß an guter Mundpropaganda. Wer emissionslos fährt, zahlt in Norwegen maximal die halbe Maut, die halbe Parkgebühr, den halben Preis bei Fahrten mit der Fähre und darf die Busspur benutzen. Auch in der Anschaffung sind die klimaneutralen Fahrzeuge günstiger, die 25 Prozent Mehrwertsteuer fällt für E-Auto-Käufer weg. Lorentzen: „Ein neuer Volkswagen E-Golf kostet brutto für netto 33.286 Euro. Ein dieselbetriebener Golf kostet netto 22.295 Euro. Dazu kommen 4.348 Euro CO2-Steuer, 206 Euro NOx-Steuer, 1.715 Euro KFZ-Steuer und 5.512 Euro Umsatzsteuer. Der Autokäufer zahlt für den Diesel-Golf unterm Strich also 34.076 Euro – mehr als für den E-Golf.“

Das EFTA-Problem

Allein durch über die Mehrwertsteuer lässt sich der Staat im Jahr umgerechnet 325 Millionen Euro entgehen. Doch damit dürfte es bald vorbei sein. Denn Norwegen ist als Mitglied der Freihandelszone EFTA an Vereinbarungen mit seinen Partnerländern gebunden. Und die EFTA Überwachungsbehörde hat dem Mehrwertsteuerbonus für E-Fahrzeuge nur noch bis Ende 2020 zugestimmt – um „eine Überkompensation zu vermeiden, die weder dem Markt noch den Verbrauchern zugutekommt“.

Auch aus der Scientific Community kam zuletzt Kritik an Norwegens millionenschweren Subventionen. Im Mitte Mai erschienen „Nordic Economic Policy Review“ empfehlen Wissenschafter des Forschungszentrums des Nordischen Ministerrats den Behörden, die Subventionen für E-Autos zurückzufahren, um unter anderem mehr in den Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes zu investieren. „Die Emissions-Steuer ist sinnvoll, die Subventionen nicht. Letztere verursachen unnötig hohe Ausgaben. Andere Methoden sind deutlich effizienter“, erklärt Ökonom Bengt Kriström, Co-Autor des Reviews.

Busspur für Tesla

„In einer frühen Phase brauchen neue Technologien, die im Preiswettbewerb noch nicht mithalten können, sicher entsprechende Incentives“, hält Dominik Fasthuber, Elektromobilitätsexperte der TU Wien, dagegen. Nachsatz: „Irgendwann muss aber auch Schluss sein. Es ist sicher nicht im Interesse der Norweger, wenn alle Busspuren von neureichen Tesla-Fahrern verstopft werden.“  

Ab 2025 nur noch emmissionsfrei

Selbstverständlich komme irgendwann der Zeitpunkt, an dem die Förderungen zurückgefahren werden müssten, stimmt grundsätzlich auch E-Auto-Verfechter Lorentzen zu. Allerdings könne man sie nicht über Nacht abdrehen. „Die norwegische Regierung hat sich verpflichtet, ab 2025 keine Verbrenner mehr neu zuzulassen, nur noch emissionsfreie Fahrzeuge. Das ist in sechs Jahren.“ Die E-Autos seien aber noch nicht soweit, um dem Wettbewerb ohne Subventionen standzuhalten. „Wenn wir die Förderungen ab 2021 zurückfahren, muss das vorhersehbar und schrittweise passieren“, bremst der E-Lobbyist.

Wie sich das auf die Nachfrage auswirken wird? Dass Begünstigungen verschwinden können, haben Norwegens E-Autofahrer bereits erlebt. So dürfen sie in Oslo die Busspur bei Rushhour inzwischen nur noch benutzen, wenn sie mindestens einen Mitfahrer im Auto haben. Dennoch: Der E-Hype scheint in Norwegen ungebrochen. Das 2012 selbstgesetzte Ziel der Regierung, bis Ende 2018 insgesamt 50.000 Stromer auf der Straße zu haben, wurde weit übertroffen: 195.351 elektrische Pkw sind es bereits – und jeden Tag werden es mehr.

 

Erik Lorentzen: „Wenn wir die Förderungen ab 2021 zurückfahren, muss das vorhersehbar und schrittweise passieren“
Bengt Kriström: „Die Emissions-Steuer ist sinnvoll, die Subventionen nicht.“
Dominik Fasthuber: „Es ist sicher nicht im Interesse der Norweger, wenn alle Busspuren von neureichen Tesla-Fahrern verstopft werden.“

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